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Dieses Langmesser hat eine besondere Bewandtnis. Deshalb
soll seine Geschichte auch hier erzählt werden. Es entstand in Eidros,
also im Land der Sein. Allgemeine Verwendung findet es bei den Holzarbeiten
der unterprivilegierten Sein-Männer. Es wird dort größtenteils
zum Holzschälen eingesetzt. Zur Herrscherzeit von Lindrana der Einäugigen
begann es immer wieder Zwischenfälle in den Eisenwäldern der
Sein zu geben. Waldfrevel war an der Tagesordnung und viele der prächtig
gewachsenen Eisenbäume wurden verstümmelt oder so verletzt,
dass das Holz nicht mehr zu gebrauchen war. Trotz ständiger Streifzüge
von Wachen durch den Wald konnte nicht wirklich bewiesen werden, dass
die Nachtalben in die Länder der Sein einfielen und dieses Unheil
anrichteten. Bis sich eines Tages der Holzfäller Roullinard nach
seiner Arbeit unvorsichtigerweise auf dem Heimweg verlief und durch Zufall
beobachtete, wie sich ein Nachtalb mit einer wohl von den Zwergen erbeuteten
Axt an einem der mächtigsten Eisenbäume zu schaffen machte.
Er hieb wahllos auf den Stamm ein, nur darauf bedacht, größtmöglichen
Schaden anzurichten. Roullinard geriet darüber so in Wut, dass er
sein Messer zog und blindlings auf den Alben zustürzte. Es gelang
ihm, ihn zu überwältigen. Er hatte sich aber noch so weit in
der Gewalt, dass er den Nachtalben nicht einfach umbrachte. Mit den Worten:
"Ewig sollst du an die Bäume denken - das ist ihre Rache"
nahm er dem Alben das Augenlicht und zerschnitt ihm die Fußsohlen.
Dann ging er seines Weges, nicht ohne dem wimmernden Alben noch mit auf
den Weg zu geben: "Richte deinem Volk aus, wir werden jeden weiteren
Frevel der Bäume bestrafen. Hütet Euch!"
Roullinard war ein einfacher Mann. Schon kurze Zeit später dachte
er überhaupt nicht mehr an den Vorfall. Doch die Überfälle
der Nachtalben ließen zusehens nach. Der von ihm su übel zugerichtete
Alb muss es wohl zu seinen Kumpanen geschafft haben und bei seiner Schilderung
des Vorfalls vielleicht ein wenig übertrieben haben. Nach und nach
sprach es sich bei den Nachtalben herum, dass mit den Sein nicht zu spaßen
ist. Am Hof von Königin Lindrana war man zwar froh, dass die Überfälle
aufhörten, konnte sich die Sache aber nicht so recht erklären.
So blüten die Gerüchte, die schließlich auch Roullinard
zu Ohren kamen. Eines dieser Gerüchte war, dass ein ganzer Holzfällertrupp
eine Bande von Alben entdeckt und fürchterlich zugerichtet habe.
Er äußerte sich nur zu seinem Holztrupp-Meister darüber
mit den Worten: "Da brauche ich keinen ganzen Holztrupp, die erledige
ich alleine". Daraufhin wurde der Meister aufmerksam und erst so
kam die ganze Geschichte an die Öffentlichkeit. Roullinard musste
bei Hofe vorsprechen und das Geschehnis bis ins Kleinste erzählen.
Er wurde daraufhin belobigt und sein Langmesser trägt seitdem den
Namen "Rache". Dies hier ist nur eine Replik. Das Originalmesser
wird heute noch von dem Sohn seines Sohnes bei der täglichen Arbeit
eingesetzt.
Das Schwert "Sturm" erhielt seinen Namen durch die tapfere
Tat eines der Hauptleute der Leibgarde des Grafen Nimkehdt. Seine Grafschaft
lag einst dort, wo heute die Festung Yarl steht. Es war strategisch ein
wichtiges Stück Land. Nimkhedt war aber eher ein schwacher Graf,
nicht nur körperlich, sondern auch von seinen Fähigkeiten her,
die Grafschaft zu verwalten und in den Kampf zu führen.
So war es nicht verwunderlich, dass die Nachtalben, angeführt von
zwei riesigen N'dragoth, fast kampflos in die Grafschaft eindrangen und
sie besetzten. Einzig in der Burg von Nimkhedt regte sich noch Wiederstand,
der von dem "Bullenschädel" genannten Hauptmann organisiert
wurde. Der Graf selbst hatte sich zitternd vor Angst längst in seine
Gemächer zurückgezogen. Bullenschädel hingegen kämpfte
verbissen und schaffte es sogar, mehrfach den Ansturm zurückzuwerfen.
Doch auf Dauer war klar, dass die Burg fallen würde. Er zog sich
mit einer Handvoll kampferprobter Soldaten der Leibgarde in den Hauptturm
der Burg zurück und befahl gleichzeitig einem kleinen wendigen Küchenjungen,
die Reihen der Nachtalben zu umgehen und Hilfe zu holen. Tagelang wartete
Bullenschädel auf Nachricht und Hilfe, während immer wieder
Angriffe gegen den Turm prallten. Jeden dieser Angriffe beantwortete der
Hauptmann mit einem Ausfall. Taktisch klug und immer im rechten Moment
stürmte er mit seinen Mannen aus dem Turm und sein Schwert wütete
schrecklich unter den Nachtalben. Doch immer wieder waren auch Verluste
in den eigenen Reihen zu beklagen - und noch war keine Hilfe eingetroffen.
Als Bullenschädel nur noch eine kleine Schar kampffähiger Männer
um sich wusste, beschloss er, alles auf eine Karte zu setzen und im Zwielicht
des aufziehenden Morgens einen letzten Angriff zu wagen. Seine Männer
rüsteten sich und als die Sonne fahl am Horizont aufging, stürmten
sie auf das Schlachtfeld. Bewusst, dass dies der letzte Morgen war, den
sie erlebten, stürzten sie sich mit einer Heftigkeit in die Schlacht,
die übermenschlich anmutete. Allein an diesem Morgen tötete
Bullenschädel einunddreißig Alben eigenhändig. Dennoch
wäre die Schlacht verlorengegangen, hätte es der Küchenjunge
- dessen Name nicht überliefert ist - nicht geschafft, Hilfe herbeizuholen.
Bis zu den Drachenhöhlen in den Eisenbergen hatte er sich durchgeschlagen
und die dort lebenden Kampfdrachen alarmiert. Sie griffen nun an, ein
Geschwader von vier Bronzedrachen tötete die N'dragoth und fegte
die Albenstreitmacht dahin.
Der tapfere Hauptmann Bullenschädel wurde in der Schlacht schwer
verletzt, überlebte jedoch. Als Dank für die Verteidigung der
Grafschaft und seinen unbeugsamen Einsatz wurde er nach seiner Genesung
aus der Leibgarde entlassen und zum neuen Grafen bestimmt.
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